Förderverein zur Verbreitung fremdsprachiger psychoanalytischer Literatur

Ein großer Teil der psychoanalytischen Literatur wird nicht in deutscher Sprache verfasst. Ungemein wichtige psychoanalytische Werke, die in englisch, französisch, spanisch oder anderen Sprachen erscheinen, werden auch nicht ins Deutsche übersetzt. So bleiben den Interessenten, die nicht mehrere Sprachen sprechen, wichtige Teile der psychoanalytischen Weltliteratur verschlossen. Natürlich gibt es auch wichtige Bücher, die übersetzt wurden. Wenn man jedoch die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt, stellt man fest, dass es zunehmend schwieriger wird, Verlage zu finden, die bereit sind, die Risiken zu tragen und den Aufwand zu leisten, der mit einer deutschen Ausgabe solcher Werke verbunden ist.

Bereits heute ist es so, dass eine ganze Reihe von wichtigen Büchern im Deutschen gar nicht hätten erscheinen können, hätten nicht Stiftungen oder/und andere öffentliche oder private Förderer die Übersetzung oder den Ankauf von Lizenzen unterstützt.

Diese Tendenzen werden sich in Zukunft sicherlich verstärken, da die wirtschaftliche Situation der Verlage diese dazu zwingt, immer schärfer zu kalkulieren und verlegerische Risiken weiter zu minimieren. Wenn man bedenkt, dass die meisten psychoanalytischen Titel keine sehr hohen Auflagen erreichen, wird das hier angesprochene Problem noch deutlicher.

Um diesem Trend etwas entgegen zu setzen und auf diese Weise die Verbreitung fremdsprachiger psychoanalytischer Literatur zu fördern, hat sich ein Verein gegründet, der sich das Ziel gesetzt hat, die Möglichkeiten zur Verbreitung fremdsprachiger psychoanalytischer Literatur zu verbessern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Herausgabe von wichtigen psychoanalytischen Werken, die bislang nicht in deutscher Übersetzung vorliegen, dem deutschsprachigen Publikum zugängig zu machen. Er möchte dazu beitragen, dass das Erscheinen solcher Bücher nicht ausschließlich von den Notwendigkeiten des Marktes bestimmt wird, also von Verkaufszahlen, sondern, das inhaltliche, wissenschaftliche Kriterien dabei stärker berücksichtigt werden können. Nach solchen Kriterien werden Bücher ausgewählt, deren Herausgabe in deutscher Sprache gefördert wird. Wenn die Übersetzung der Titel in die deutsche Sprache oder der Ankauf von Lizenzen durch den Verein unterstützt wird, ist es auch leichter, Verlage zu gewinnen, die unter diesen Bedingungen bereit sind, das Buch auf den Markt zu bringen.Die dafür nötigen Mittel will der Verein aus Beiträgen und Spenden beschaffen. Der Verein ist vom Finanzamt Gießen als gemeinnützig und damit steuerbegünstigt anerkannt worden. Alle, die an der Psychoanalyse und an der Förderung fremdsprachiger psychoanalytischer Literatur interessiert sind, sind aufgerufen, sich durch einen Beitritt in den Verein oder durch eine Spende an dem Projekt zu beteiligen. Wir hoffen, auf diese Weise dazu beizutragen, der internationalen Bedeutung der Psychoanalyse in Deutschland mehr Präsenz zu geben, und nicht zuletzt, es den vielen, die sich für Psychoanalyse interessieren, zu erleichtern, auf internationaler Ebene informiert zu bleiben.

Es finden jährliche Mitgliederversammlungen statt. Von den Mitgliedern wird über die geplanten Projekte diskutiert und diese dann beschlossen.

Beitrittsgesuche und Anfragen an den Vorsitzenden des Vereins,
Herrn Dr. med. Bernhard F. Hensel, Löberstr. 20, 35390 Gießen. Der Aufnahmeantrag kann unter Mitgliedschaft heruntergeladen werden.
Tel. 06 41-7 38 86, Fax 06 41-9 71 95 09, E-Mail: dr.b.f.hensel@t-online.de
Bankverbindung: Sparkasse Gießen, IBAN: DE05 5135 0025 0225 0216 09, BIC: SKGIDE5FXXX
www.fvpl.de

Aktuelles

Zur Zeit fördert der Verein diese Übersetzung:

Personal Relations Theory  (Graham S. Clarke) – ein Plädoyer für eine Übersetzung ins Deutsche  (Rainer Rehberger, Berlin und Zürich)

Clarke gibt nach ausführlichen Forschungen eine umfassende Darstellung zur »Personal Relations Theory« auf der Grundlage  der Konzeptionen der schottischen Autoren Fairbairn (Psychoanalytiker) , Suttie (Psychiater) und Macmurray  (Realistischer Philosoph) . Außerdem beschreibt er die engen Verbindungen der »Personal Relations Theory« zur Bindungstheorie Bowlbys.  Bowlby hat seine Verbundenheit zu Fairbairn und Suttie in seinen Monografien festgehalten. Die genannten Autoren teilen nicht die Vorstellungen der Freudschen Triebtheorie.

»Personal Relations Theory«, ein bereits von Fairbairn verwendeter Begriff, vermeidet die Vermischung und Verwechslung mit der »Objektbeziehungstheorie«, ein Terminus, der  besonders in England  für die Konzepte und Theorien von Melanie Klein und ihrer Schule verwendet wird.

Das Buch gibt eine neue und umfassende Darstellung der Theorie Fairbairns. 

Teil I gibt einen Überblick über Fairbairns Werk und über die Grundlagen für ein Verständnis  von Kreativität und  für die Natur innerer  Realität. Teil II umfasst die Beziehung von Fairbairn zu Macmurray und Suttie und deren Bedeutung für die realistische Philosophie, für den wissenschaftlichen Status der Psychoanalyse, für die Bindungstheorie und für eine Politik unter Berücksichtigung des Gesichtspunktes persönlicher Beziehungen.  Ausführlich dargestellte Themen sind:

  • Innere Objekte und innere Realität- Fairbairn und Klein
  • Fairbairns Kunsttheorie im Licht seines ausgearbeiteten Modells der Persönlichkeit
  • Das Vorbewusste und die seelischen Veränderungen (Reifung) der Persönlichkeit
  • Politik und Bindungstheorie in England und die Personal Relations Theory: Fairbairn, Suttie und Bowlby.

Die Verbindung von Fairbairn, Macmurray und Suttie, die hier vorgestellt wird, schafft einen originellen Strang der Objektbeziehungstheorie, der Bedeutung und Folgen für ein weites Spektrum von  philosophischen, psychologischen bis hin zu politischen Anliegen hat.

Graham S. Clarke ist ursprünglich Architekt, wechselte dann ins Computerfach, arbeitete an der Cityuniversität, Anglia Polytechniche Universität und arbeitet seit 20 Jahren als Gastwissenschaftler im Zentrum für Psychoanalytische Studien an der Universität Essex. Zuletzt gab er gemeinsam mit David Scharff  eine umfassende Monografie verschiedener Autoren zu »Fairbairn and the Objectrelations Tradition« heraus, Bernhard F.  Hensel und Rainer Rehberger gehören zu den Autoren.

Das Buch kann ein weiterer wichtiger Teil jener Publikationen des Psychosozialverlags werden, die der Objektbeziehungstheorie gelten (Fairbairn, »Das Selbst und die inneren Objektbeziehungen«, Sutherland, »Das Autonome Selbst«, D. und J. Scharff aktuell  »Das interpersonelle Unbewusste«)